Sendepause

Aktualisiert: Aug 19

Geht es Euch auch oft so, dass Ihr nicht wählen könnt? Dass ihr wie vor einem großen Buffet steht und alles wunderschön und mundgerecht bereitet wurde und ihr nicht wisst, was Ihr zuerst nehmen sollt, weil alles so schön aussieht? Ich fühle mich gerade so.

Ich fühle mich überschüttet von Möglichkeiten, es gäbe so vieles zu tun, um die Welt ein bisschen schöner zu machen. Aber die Wahl fällt mir schwer. Womit soll ich beginnen?

Darum beginne ich wesentlich zu werden. Ich besinne mich auf das, was mir seit Anbeginn meines Lebens wichtig ist. Dazu gehört die Musik, das Spielen am Klavier, das Schreiben, Kerzenschein und die Ruhe und Stille.

Ich befinde mich in einem Zustand, in dem die Anwesenheit von Menschen mich mehr ängstigt, als der Gedanke allein zu sein, in meinen Gedanken zu forschen und Lösungen zu erarbeiten. Ich fühle mich wund. Meine schützende Hülle ist derzeit nicht vorhanden. Ich fühle mich leicht angegriffen und verletzt, missverstanden und in der Position, nicht antworten zu können. Ich weiß, dass die Menschen um mich, mich lieben und Zeit mit mir verbringen wollen, aber genau das fühlt sich für mich so schwer an.

In gleicher Weise fühle ich mich leer und ausgelaugt. Oft habe ich viele Ideen, aber ich schaffe es nicht bis zur Umsetzung. Dies wiederum frustriert mich und ich bin deprimiert. Das ist der Kreislauf, der sich immer wiederholt. Die Musik vermag es, mich ein wenig aus meinen Gedanken, Sorgen und Ängsten herauszuholen. Aber … ich habe momentan keinen dauerhaften Zustand von Glück, Dankbarkeit oder Zufriedenheit. Ich arbeite daran.

Mein innerer Antreiber ist aktiv. Er versucht mich aufzurichten, und dazu zu bringen, positiv gestimmt zu sein, aber es gelingt mir nicht, zumindest nicht immer.

Momentan fühlt es sich an, als wäre ich am Boden aufgeschlagen, so viele Hoffnungen, so viele Träume hatte ich gehabt, so viele Pläne wollte ich umsetzen und ich erinnere mich, zu meinem 30. Geburtstag, das ist nun mal gerade 12 Jahre her – war ich dankbar, für alles, was ich erreicht hatte.

Was war in den letzten 10 Jahren geschehen? Wo hat mich das Leben hingebracht? Wo habe ich mich selber hingebracht? Manchmal verstehe ich gar nichts mehr. Manchmal macht nicht wirklich mehr etwas so richtig Sinn. Ich kämpfe im Inneren darum, einen roten Faden zu finden. Ich kämpfe im Inneren darum, wieder aufzustehen und weiterzumachen. Manchmal gelingt es mir. An anderen Tagen bleibe ich liegen und die Gedanken in meinem Kopf rotieren. Schuldgefühle machen sich breit, wenn ich es wieder nicht geschafft habe, mich zu motivieren. Ängste machen sich breit, wenn ich an die Zukunft denke. Zweifel machen sich breit, ob ich so von meiner Familie geliebt werden kann. Mein Glaube war mir oft der einzige Strohhalm, den ich hatte. Verbunden mit den Melodien und Texten meiner Lieder hatte ich etwas, woran ich mich festhalten konnte. Ich hatte nur wenige Momente in meinem Leben, in denen nicht einmal mehr die Musik mich aufzurichten vermochte.


Wenn ich meine Seele frage, was sie möchte, dann antwortet sie mir oft: Ich möchte mich über dein Klavierspiel ausdrücken und das funktioniert dann auch. Ich habe mir jetzt selbst Urlaub verschrieben. Urlaub in einer Zeit, wo die Kinder nicht in die Schule gebracht werden müssen. Urlaub in einer Zeit, wo andere ans Meer fahren. Und Urlaub in einer Zeit, wo wir die meiste Zeit 5 Kinder zu versorgen haben. Doch dieser Urlaub läuft nicht wie gewohnt ab. Keinen Koffer packen, keine Vorfreude auf der Autobahn, kein Einchecken im Hotel…. Oder vielleicht doch?


Ich begebe mich auf eine Reise, aber die findet im Inneren statt! Ich packe meine Koffer, ich nehme das mit, was ich brauche …. Das ist in meinem Fall nicht viel!

Mein Klavier, Zettel und Stift, eine Kerze und ein Feuerzeug und mein Handy.

Mehr möchte ich nicht einpacken. Mit mehr möchte ich mich nicht beschweren. Ich brauche für meine Reise kein Auto, aber die Bahnen der Erinnerung werde ich genauso beschreiten oder befahren. Das Einchecken im Hotel und das Ausruhen am Strand werden für mich die Orte sein, an denen ich schon einmal war – entweder um dort bewusst Abschied zu nehmen oder um bereits vergangene schöne Ereignisse noch einmal zu erleben.

Ich bin mir sicher, es wird am Ende so sein, wie an jedem schönen Urlaub. Wenn das Ende gekommen ist, freuen sich alle auf zuhause und auf die Heimfahrt. Oft können sie es nicht erwarten, aus dem Hotel auszuchecken und in die reale Welt einzutauchen. Ich weiß es noch nicht.

Aber ich weiß, dass dies nötig ist. Ich weiß, dass dieses Abstandnehmen vom Alltäglichen, vom Überfüllt sein, das Abstandnehmen vom ständig Gebrauchtwerden und nach Außengeben absolut heilsam ist und ich freue mich darauf, wertvolle Entdeckungen zu machen.


Nun sitze ich also hier mit meiner Kerze, um mich ist es still und ich diktierte gerade Tag 1 meines Urlaubstagebuchs. Ich bin gespannt, wohin mich meine Reise führen wird und ich bin gespannt, welche Dinge, ich loslassen kann. Welche Dinge ich erkenne, um sie quasi im Urlaub zu lassen und nicht wieder mit nach Hause zu nehmen. Ich bin gespannt, welche Dinge sich mitschmuggeln, obwohl ich sie gar nicht im Urlaub haben wollte. Ich bin gespannt auf meine Reise – auf meine Reise in die Freiheit.

Ein Stück mehr ich selbst zu werden. Ein Stück mehr mich wiederfinden. Ein Stück mehr auf das hören, was meine Seele mag und was meine Seele braucht. Und darauf hören, darauf achtgeben.



Ich freue mich darauf!


Eure Katrin

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