• Sincere

Nasse, kalte Füsse

Aktualisiert: 6. Dez. 2021

Ich stehe hier mitten in der Gail (ein Fluss in unserer Nähe) mit meinen Gummistiefeln und bin froh, dass das eiskalte Wasser des Flusses nicht ungeschützt auf meine Füße trifft. Erfahrungsgemäß – wir baden im Sommer auch tatsächlich in diesem Fluss – ist es anfangs noch sehr schmerzhaft, jedoch fühlt man nach ein paar Sekunden gar nichts mehr. Das Sprichwort „kalte Füße bekommen“ stammt ursprünglich aus dem Glücksspiel. Schon damals war es verboten, um Geld zu spielen. Daher fand das Spielen in dunklen, kalten Kellern statt. Wenn es dann für den Spieler brenzlig im Sinne von Verlust wurde, redete er sich aufgrund der Kälte des Kellers auf seine kalten Füße aus und verließ die Runde. Dieser Umstand hat zu der Redewendung geführt, die wir heute benutzen, wenn jemand etwas Bestimmtes vorhat, dann aber kurz vor der Umsetzung einen Rückzieher macht.

Als ich diesen wunderschönen Platz zum ersten Mal sah, wäre ich am liebsten barfuß hineingelaufen, ich wusste aber, dass dies in Anbetracht der Temperaturen sehr unangenehm werden könnte und ich bekam bereits gedanklich „kalte Füße“. Wie geht es dir damit, Dinge durchzuziehen, Vorhaben umsetzen, auch wenn deren positiver Ausgang nicht immer gesichert ist? Bekommst du leicht „kalte Füße“ und suchst dir Ausreden, warum dies oder das nicht geht? Oder gehst du schnurstracks deinen Weg ohne Rücksicht auf Verluste?

In der Vorbereitung auf diesen Blog hinterfrage ich mich selbst… Wann habe ich das letzte Mal „kalte Füße“ bekommen? Ich werde in den Situationen in meiner Vergangenheit bald fündig. Mein Problem war nicht, dass ich vorher abspringen wollte, mein Problem war eher, dass ich oft zu schnell zu etwas „Ja“ sagte, und dann hinterher zusehen musste, wieder aus der ganzen Sache herauszukommen. Es gibt Entscheidungen in meinem Leben, die bereue ich überhaupt nicht, meistens waren es diejenigen, die ich „aus dem Bauch“ und relativ schnell getroffen habe. Alle anderen über die ich nachdenken musste, waren von Anfang an nicht richtig. Was mir fehlte, war ein „Nein“ aus Überzeugung. Also habe ich Entscheidungen für mich „hingebogen“ um damit d‘accord zu gehen. So überzeugte ich mich gewissermaßen selbst. Wenn ich an mein „junges“ Bauchgefühl zurückdenke, so wusste ich meist ziemlich genau, was denn für mich passen könnte oder nicht. Ich war in meinen Vorstellungen mein Leben betreffend sehr klar, habe aber – aufgrund meiner miesen Fähigkeit, „Nein“ zu sagen – einige Abzweigungen falsch genommen. Trotzdem habe ich vieles oft „durchgezogen“, was mir von meiner Familie positiv ausgelegt wurde und wofür ich oft Lob bekam. Also habe ich es weiterhin so gehandhabt. Vielleicht hätte ich öfter mal „kalte Füße“ bekommen sollen und nicht so lange in einer Situation verharren, bis ich Eisklumpen an den Beinen hatte und fast nicht mehr gehen konnte.

Aber was war es dann, was mein offensichtlich funktionierendes Bauchgefühl zum Schweigen brachte? Einerseits war es die Angst vor Einsamkeit, vor Vorwürfen, Abhängigkeit von den eigenen Eltern und die Suche nach Anerkennung vom engsten Umfeld. Für seine Meinung oder das Wissen über das, was einem gut tut, geradezustehen, ist vor allem für Teenager oder junge Menschen schwer auszuhalten. Peer pressure und wenig Rückhalt von zuhause verstärken die Vorgehensweise, die eigene leise Stimme noch leiser zu drehen und sich in den Tenor der Menge einzufügen. Wie viele Menschen sitzen in falschen Jobs fest, weil sie in ihrer Kindheit einen Traum hatten, der ihnen abgesprochen wurde und sie nun denken, es wäre zu spät, die Richtung noch einmal zu ändern. Wie viele Menschen sitzen in kaputten Beziehungen fest, weil sie glauben, aus religiösen oder sonstigen Gründen an etwas festhalten zu müssen, dass bereits vor langer Zeit in die Brüche gegangen ist? Ich finde so etwas wirklich traurig und schade, denn wir verbringen in unseren Beziehungen und unseren Arbeitsstätten so viel Lebenszeit. Wenn nun diese Bereiche für uns zu einer dauerhaften Belastung werden, dann wirkt sich dies auf unser ganzes Leben und Fühlen negativ aus.


Ich möchte dich heute ermutigen, genau zu spüren, ob deine „kalten Füße“ gerechtfertigt sind oder ob du dich in einer Situation befindest, die „erobert“ und „gewonnen“ werden möchte. Ich wünsche dir ein gutes Gespür dafür, warum du welche Entscheidungen triffst und wie diese Entscheidungen zu haltbaren Entscheidungen werden, aus denen man sich danach nicht wieder befreien muss! Allem voran aber wünsche ich dir einen klaren Blick, unterscheiden zu können was gerade davon für dich dran ist!





In diesem Sinne


Be a voice, not an echo


Eure Katrin

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