Hilflos - Hoffnung

Aktualisiert: Aug 20

Ich habe es mir wieder bequem gemacht. Gerade gestern lernte ich, was es heißt, mit meinem inneren Wunsch nach Urlaub und dem Wunsch meines Kindes, nämlich, bespaßt werden zu wollen, zu kollidieren. Ich versuchte, einen Kompromiss zu finden, aber das Ergebnis davon, was für meine Kinder zu tun und dem, was ich eigentlich tun wollte, war, dass ich in einen tiefen Nachmittagsschlaf fiel. Das erste Gefühl, welches mich nach dem Aufwachen beschlich, war – Unzufriedenheit!

Wie haben wir uns auf unsere Kinder gefreut, versucht, jeden Moment der Schwangerschaften und des Kleinkindalters voll auszukosten, die ersten Schritte, die ersten Erfolge lückenlos kommentiert und plötzlich merken wir in uns, dass das Gefühl, ständig nur zu geben, uns irgendwie hilflos zurücklässt. Hilflos, weil diese kleinen Menschlein noch ganz gut einfordern können, was sie brauchen – ohne schlechtes Gewissen. Mit einer Selbstverständlichkeit teilen sie uns zu jedem Zeitpunkt mit, was gerade dran wäre. Das lässt mich in einen weiteren Tagtraum abtauchen. Wie mache ich das eigentlich? Wie klar formuliere ich meine Wünsche, was ich brauche, wenn ich mal alleine gelassen werden möchte – und wie reagieren die anderen darauf? Gibt es etwas anderes, als die ersten zwei Male nett zu antworten und beim dritten Mal total auszuflippen? Wie setze ich Grenzen? Wie muss ich sie formulieren, um dem Gegenüber begreiflich zu machen, dass es jetzt „ernst“ ist. Ich musste lernen, dass Menschen, die sich selber erlauben, mal Pause zu machen, oder ihre Zeit einzufordern, anderen eher gewähren, dasselbe zu tun. Jemand, der ohne Punkt und Komma gibt oder arbeitet, der versteht auch nicht, warum ein anderer seine Reserven bereits schon an einem anderen – vielleicht viel früheren Punkt – aufgebraucht hat. Weiß ich mir selber zu helfen und für mich zu sorgen, oder weicht das Hilflosigkeitsgefühl früher oder später der Unzufriedenheit? Wann ist Pause gleich Pause?

Während ich mich in diesem – mir verschriebenen Urlaub – bewusst von Social media distanziere, merke ich, dass mein Gehirn in der Tat eine Pause erfährt. Das ständige Scrollen nach einer Nachricht, die es WERT ist, gelesen zu werden, hinterließ in meinem Gehirn eine riesige Wolke. Zu viele Informationen, Überschriften, Bilder, Werbevideos, Abnehmgeheimnisse, reißerisches Medienspektakel und noch vieles mehr. Der Effekt war, alle positiven oder klaren Gedanken werden überschattet. In derselben Zeit könnte ich Schreiben, Lieder arrangieren, Musik hören, trainieren, schlafen. Wie oft hatte mich Social media vom Schlaf abgehalten. Aber der Zugang war oft blockiert, da ich dachte, mich umfassend zu informieren oder ohnedies nur das zu lesen, was mich interessiert. Im Endeffekt blieb ich sitzen oder liegen und machte mich somit reglos. Nur Pause machte ich nicht.


Wie leicht fällt es dir, auf das Unwohlsein in deinem Körper oder Kopf zu reagieren und wie viel früher – bevor es eskaliert – leitest Du Schritte ein, die Dir helfen, einen Gang runterzuschalten? Hast Du ein Netzwerk oder zumindest ein bis zwei Personen, die dich für eine gewisse Zeit freispielen können? Traust Du Dich Deine Wünsche zu formulieren und wie reagieren die anderen darauf? Wie bewertest Du selbst Menschen, die gelernt haben, ihre Erschöpfungssymptome rechtzeitig zu deuten und darauf zu reagieren? Wenn dies in einer negativen Art passiert, dann wird es Dir auch schwer fallen, Dir selbst zu erlauben, mal für kurze Zeit „blau“ zu machen.


Ich wünsche mir, dass meine Überlegungen auch in Dir ein Gefühl der Freiheit entstehen lassen. Der Freiheit, Dich selbst ernst zu nehmen und Dir Pausen im Alltag – wie dieser auch aussehen mag – zu gönnen.



In diesem Sinne


Alles Liebe


Eure Katrin

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